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Modellprojekt für hörgeschädigte Menschen
Auch gehörlose können Fitnesstrainer/-in werden.



Ein Modellprojekt will hörgeschädigte Menschen zu Fitnesstrainern ausbilden

Fitness-Studios sind der Zielgruppe der Hörgeschädigten bisher nicht Zugänglich. Dies liegt daran, dass es keine Trainer(innen) gibt, die Gebärdensprache beherr­schen und dazu in der Lage sind mit Gehörlosen zu kommunizieren und ihnen die Trainingsinhalte zu vermitteln. Aus diesem Grund scheuen viele hörbehinderte Menschen diese Form des Sports, obwohl ihrerseits diesbezüglich ein großes Inte­resse besteht. Seit November 2005 versucht ein Modellprojekt, das vom Land NRW und von der Europäischen Union finanziell unterstützt wird, an dieser Situation etwas zu verändern.

Reportage vom Bayerischen Rundfunk aus der Reihe: Sehen statt Hören.

Eine Qualifikation mit Zukunft

Der deutsche Fitnessmarkt ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Neben der Umstrukturierung des Gesundheitssektors, welche auch in der Schließung von Krankenhäusern und die Einführung der Praxisgebühr spürbar ist, trägt auch die rasante Alterung unserer Gesellschaft dazu bei, dass das Thema „Gesundheit“ in der Bevölkerung einen stetig größer werdenden Stellenwert einnimmt. So geben immer mehr Deutsche an, auf ihre Gesundheit zu achten und dafür auch Geld zu inves­tieren. Es setzt sich in der Bevölkerung verstärkt die Erkenntnis durch, dass Be­wegung gut tut und Sport nicht nur etwas für „Profis“ ist.

Menschen, deren Hörvermögen beeinträchtigt ist, bleibt der Fitnessmarkt bisher weitestgehend verschlossen. Damit hörgeschädigte Menschen Fitness betreiben können, die sich förderlich auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden auswirkt, ist es wichtig, dass sie an einem Training teilnehmen, das durch qualifizierte Fitness­trainer(innen) in Gebärdensprache angeleitet wird. Das Modellprojekt „Ausbildung Schwerhöriger und Gehörloser zu Fitnesstrainerinnen und Fitnesstrainern für Hörgeschädigte“ eröffnet Personen mit einer Hörschädigung erstmals die Möglichkeit, die fachlichen Qualifikationen, die hierzu erforderlich sind, zu erwerben. Diese Kompetenzen werden den Teilnehmer(innen) nach einem erfolg­reichen Lehrgangsende durch die Ausstellung einer sog. Basis-Lizenz (B-Lizenz) bestätigt. Durch den Erhalt dieser B-Lizenz erschließen sich für Hörgeschädigte vielfältige Be­schäftigungsmöglichkeiten (z. B. in Sport- und Fitness-Studios, Sportverbänden, Rehabilitationseinrichtungen). Darüber hinaus bieten sich auch Sportverbänden für Gehörlose und Schwerhörige diverse Aufgaben an, die von zertifizierten „Fitness­trainerinnen und Fitnesstrainern für Hörgeschädigte“ übernommen werden können. Diese Aufgaben zielen inhaltlich auf eine spezielle Betreuung und Beratung hörge­schädigter Einzelpersonen oder Personengruppen ab. In Form einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung oder in Ausübung einer selbständigen Tätigkeit erhalten somit auch Hörgeschädigte die Möglichkeit in beruflicher Hinsicht vom „Boom“ in der Gesundheitsbrache zu profitieren.

Die Aufgaben der Fitnesstrainerin / des Fitnesstrainers für Hörge­schädigte

Sporttreibende Menschen mit einer Hörschädigung müssen ihrer Einschränkung ge­mäß beraten, betreut und unterstützt werden. Dies beinhaltet hauptsächlich die Anleitung, Unterstützung und Korrektur von Einzelpersonen und Personengruppen – besonders im Hinblick auf die richtige Anwendung von Sport- bzw. Trainingsgeräten. Die Trainer(innen) gewährleisten, dass die Hörgeschädigten die Geräte so benutzen, dass sich die Übungen förderlich auf ihre Gesundheit auswirken. Eine weitere zentrale Aufgabe besteht darin, den Hörgeschädigten in allen Fragen rund um die Themen „Training“ und „Ernährung“ eine gute Beratung zukommen zu lassen. Wichtig ist insbesondere die Beratung zum Trainingsaufbau, zur Trainings­gestaltung, zur Erarbeitung individueller Trainingspläne, sowie zur persönlichen Ernährungsberatung.

Teilzeit- oder Vollzeitlehrgang

Die Ausbildung zum/zur Fitnesstrainer/in wird als 3-monatiger Vollzeitlehrgang (15.01.2007) oder als 8-monatiger Teilzeitlehrgang (bereits begonnen), für jeweils 18 Teilnehmer angeboten. Darüber hinaus wird ein vierwöchiges Praktikum in die Aus­bildung integriert. Ziel des Praktikums ist es, mit den Lehrgangsteilnehmer(innen) die theoretischen Lerninhalte anhand praxisrelevanter Übungen umzusetzen und Situa­tionen „durchzuspielen“, mit denen eine Fitnesstrainerin/ein Fitnesstrainer für Hörge­schädigte in ihrem / seinem beruflichen Alltag typischerweise konfrontiert wird. Zu den Lehrgangsinhalten gehören die Segmente:

  • Sportmedizin
  • Haltungs- und Bewegungsapparat
  • Allgemeine und spezielle Trainingslehre
  • Geräteunterweisung
  • Grundlagen der Ernährung
  • Grundlagen selbständiger Tätigkeiten
  • Vorbereitung zum Einstieg in den Berufalltag
  • Abschlussprüfung und die Vergabe der Zertifikate

Für Rückfragen stehen Ihnen Herr Bläcker und Frau Marino gerne unter der Tel. 0231/ 55 69 76 -0 oder per Fax -30 zur Verfügung.

Herr Bläcker:
Frau Marino:

Dirk Bläcker ist Sport- und Fitnessfachwirt und verfügt über hohe Gebärdensprache Kenntnisse. Daniela Marino ist Diplom-Psychologin. Zusammen sind sie als Projektteam für die praktischen- und theoretischen Inhalte des Lehrgangs zuständig.


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